Hebamme
Annemarie Kerschbaumer

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Geburtsvorbereitung für Paare an den Wochenenden
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Volmond

"Guter Mond du gehst so stille ..."

Ein Bild des zunehmenden Mondes in schwarz/weiß

Die allgemeine Mondphasen-Hysterie und kommerzielle Ausnützung derselben haben mich mißtrauisch gemacht:

In jeder Buchhandlung stolpert man über Bücher und Kalender - es himmelt dunkelblau, es mondet ganz oder halb auf den Titelseiten.

Daß man Bäume nur dann und dann schlägert, Pflanzen nur dann und dann setzt - danach haben sich meine Bauern-Vorfahren in Kärnten schon immer gehalten.

Wenn sich aber Leute gänzlich ohne Hausverstand nur noch nach "Mondkalendern" richten, finde ich das ein bissl blöd. Einer Freundin ist auf diese Weise voriges Jahr der Garten verdorrt...

Ich habe selber zwei Jahre lang die Geburtenhäufigkeit in Verbindung mit den Mondphasen beobachtet und aufgezeichnet: es gibt NICHT vermehrt Geburten zum Vollmond oder in den Tagen davor oder danach. Zu Neumond übrigens auch nicht.

In der Zeit vor der Industrialisierung & Elektrifizierung hat das Mondlicht sicher Auswirkungen auf Zyklus und Geburten gehabt - heutzutage nicht (mehr).

"Es läßt sich kein Zusammenhang zwischen Vollmond und ungewöhnlichen Ereignissen erbringen. "(Studien von I.W. Kelly, 80iger Jahre, USA)

... weder mehr Geburten an Voll- bzw. Neumond, noch haben mehr Frauen zu diesen Zeitpunkten ihre Tage oder ihren Eisprung" (Frauenarzt H. Hosemann 1950)

ABER:
Bereits eine Lichtstärke von 180 lux hat einen deutlichen Einfluß auf das menschliche Hormonsystem und auch geringere Lichtstärken (Vollmondlicht hat ca. 0,2 lux) haben noch Auswirkungen. (Studie D. Boivin 1996).

Das Licht des Vollmonds spielt in unserer heutigen Zeit, wo die Nacht durch künstliche Beleuchtung zum Tag gemacht wird, natürlich keine Rolle mehr - aber diese Erkenntnisse mögen erklären, warum in früheren Zeiten die Frauen häufig ihren Eisprung zu Vollmond hatten und ihre Periode zu Neumond. Nicht umsonst wurden in vielen Kulturen Fruchtbarkeitsfeste zu Vollmond abgehalten.

Professor Edward Dewan aus Boston machte 1967 Experimente mit Frauen, die an Zyklusunregelmäßigkeiten litten. Dewan machte damals schon das Licht des Mondes für die Regulierung des weiblichen Zyklus verantwortlich. Er erprobte seine Theorie, indem er die betroffenen Frauen in der Mitte ihres Zyklusses 3-4 Nächte lang beim indirekten Licht einer Lampe schlafen ließ. Mit Erfolg: der Zyklus begann sich zu normalisieren.

Bei Vollmond werden nachweislich nicht mehr Kinder geboren als zu jeder anderen Mondphase auch.

Deutlich zeigte sich jedoch, dass die selektive Wahrnehmung hartnäckig ist. Die meisten Hebammen an der Nordseeküste waren fest davon überzeugt, daß Geburten fast nur bei Flut stattfinden. Eine Untersuchung ihrer eigenen Aufzeichnungen ergab allerdings, daß tatsächlich von 1.360 Spontangeburten 699 - mehr als die Hälfte - bei Ebbe stattfanden....