Hebamme
Annemarie Kerschbaumer

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Hebammengeschichte/n - hevianna

Es war einmal ...

... in einer Zeit, als es in unserem Europa rund 23 Millionen Menschen gab (heute sind es rund 650 Millionen) und zu einer Zeit, als noch die drei Nornen, die drei Schwestern Urd, Wedandi und Skuld die Fäden des Schicksals webten.

Es war damals - vor rund 2400 Jahren - als die Germanen aus dem Norden bis an die Weichsel und den Rhein gezogen kamen. Später versuchten sie noch weiter südlich zu gelangen. Die Römer, die nach Norden strebten auf der Suche nach Land und Macht, legten schließlich aber die Grenze mit dem Limes, der Rhein-Donaugrenze fest.

Vielleicht hat sich die Geschichte der Ortrun, einer kundigen Hebamme, aber just zu dieser Zeit zugetragen - aufgezeichnet wurde sie dann erst viele viele hundert Jahre später.

Die Siedlungen der Germanen in den Wäldern und Sümpfen lagen oft weit auseinander, und als Ortrun gebeten wurde, der jungen Borgne bei der Geburt ihrer Zwillinge beizustehen, mußte sie erst lange reiten, um endlich anzukommen.

Lange Zeit lag Borgne schon in den Wehen, erschöpft und mutlos von den vergeblichen Versuchen, ihre Kinder zur Welt zu bringen.

Sie kauerte nahe der offenen Feuerstelle auf einem Ochsenfell. Stroh und wohlriechende Kräuter waren rundum auf dem Fußboden wie ein Teppich aufgebreitet.

Auch die erfahrensten der "Mitweiber" Borgnes wußten keinen Rat mehr, obwohl sich die Frauen sonst bei Geburten gut gegenseitig beistehen konnten. Die sonst wirksamen Beräucherungen der Vulva mit Hanf und Wacholder hatten keinen Erfolg gebracht und vor dem allerletzten gewaltsamen Vorgehen bei Geburtsstillstand schreckten sie zurück - hatten Angst davor, weil es zu oft mit dem Tod der Mutter endete: die Gebärende wurde durch eine natürlich gewachsene Baumspalte gezogen...

Wenn bei dieser "Behandlung" die Mutter starb, aber wider Erwarten das Kind überlebte, wurde ihr das Neugeborene gleich in den Tod nachgeschickt.

Ortrun hieß die Frauen sofort nach ihrer Ankunft aus den mitgebrachten Kräutern schmerzlindernde und krampflösende Tränke zubereiten, und während sie Borgne Runenzeichen des Gebärzaubers auf die Hand malte, begann sie zugleich einen mächtigen Wortzauber der Lösung zu singen.

Sie sprach zu Borgne, sie fragte sie - und das arme Mädchen konnte sich endlich aussprechen und den Druck, der auf ihrer Seele lastete, loswerden.

Hauptsächlich die Last nämlich, nach einer heimlichen Nacht mit einem verheirateten Freund ihres Vaters schwanger geworden zu sein und die Zwillinge unehelich zur Welt bringen zu müssen.

Und der Wortzauber - nichts anderes als in unserer Zeit verständnisvolle Gespräche und Zuwendung - tat gemeinsam mit den Kräutertränken seine Wirkung.

Ortrun entband die kniende Borgne auf einer frischen Lage Stroh mit geschickten Griffen von ihren Zwillingen und machte sich sogleich daran, den neugeborenen Kindern rasch etwas nahrhaftes in die Mündchen zu stopfen, denn nach der ersten Nahrungsaufnahme war es vorbei mit dem Recht des Vaters auf Tötung des Kindes.

Noch im Mittelalter strichen die Hebammen unserer Breiten dem Baby gleich nach der Geburt eine Mischung aus Honig und Apfel in den Mund - "damit das Kindspech leichter abgeht" sagten sie.

Der wahre Grund aber war in diesem alten, wirklich barbarischen Tötungsrecht durch den Vater bzw. seiner Umgehung zu suchen.

Nach diesem kleinen, aber lebensrettenden Trick legte Ortrun die Kinder auf einen Schild, hob sie damit vom Boden auf und präsentierte sie dem Vater, der sie durch die Entgegennahme anerkannte.

Die Berufsbezeichnung "Hebamme" kommt von diesem alten Ritual bei den Germanen - der althochdeutsche Ausdruck "hevianna" bedeutet "die Hebende".